Rügen von der Eiszeit bis heute

8000 v. Chr.
Die letzten Gletscher ziehen sich zurück und hinterlassen beim Abtauen Geröllfelder. Rügen ist so ein Geröllfeld, welches auf einer riesigen Masse von Kalkstein zurückgeblieben ist. Unzählige Muscheln und Schalentiere bilden das weiße Innere von Rügen, das an vielen Stellen zutage tritt. Schon bald begann die Besiedelung der Insel: Funde von bearbeiteten Geweihen beweisen, dass Rügen schon kurz nach der letzten Eiszeit bewohnt war.

4500 v. Chr.

Es entstehen Hügelgräber wie das Großsteingrab bei Lancken-Granitz und das Herzogsgrab auf der Halbinsel Mönchsgut.

300 v. Chr.

Ostgermanen, die Rugier, besiedeln die Insel - so erhält Rügen seinen Namen.

200 v. Chr. - 375 n. Chr.
Handelskontakte werden mit Römern und Phöniziern geschlossen. An den Küsten Rügens wurde schon immer viel Bernstein gefunden, welches die Römer in Ihren Schmuckstücken verarbeiten.

Ende des 6. Jh.
Die Ranen, ein kriegerische Seefahrervolk aus dem Osten, bevölkern die Insel und errichten Burgwälle. Diese Festungs- und Kultbauten sind noch heute in Teilen erhalten. So auch das größte dieser Heiligtümer am Kap Arkona, welches dem Gott Svantevit gewidmet ist.

um 1000
Rügen wird erstmals schriftlich erwähnt, in der Chronik von Thietmar von Merseburg und in der Hamburgischen Kirchengeschichte von Adam von Bremen.

1168
Die Ranen werden von den Dänen unter Waldemar I. als eines der letzten Slawenvölker bezwungen. Der Slawenfürst Jaromar I. wird Lehnsmann der Dänen und die Insel wird unter dänischer Herrschaft christianisiert. Jaromar lässt die erste Backsteinkirche der Insel, die Marienkirche in Bergen, erbauen.

1304
Eine Sturmflut zerstört Teile der Halbinsel Mönchsgut und Fürst Witzlaw III. führt Deutsch als Amtssprache ein.

ab 1365
Pommersche Herzöge vergeben Ländereien an Adlige auf Rügen. Die größten Besitztümer gehen an die Herren von Putbus.

1401
Klaus Störtebeker, ein Pirat aus Jasmund, wird von der Hanse gefangen genommen und in Hamburg hingerichtet.

1618-48
Der Dreißigjährige Krieg richtet schwere Verwüstungen und Hungersnöte auf Rügen an.

bis 1806
Die Schwedische Krone erbt die Herrschaft über Rügen von den letzten pommerschen Adligen. König Gustav IV. hebt mit einer Verordnung die Leibeigenschaft auf. Im Jahre 1783 waren von 21.254 Einwohnern nur 6.226 freie Bürger.

ab 1815

Rügen wird als Kurort erobert: Putbus wird zum Badeort mit Kurhaus, Theater und dem ersten Logierhaus, auch Lauterbach bekommt ein Badehaus. Auf Kap Arkona wird der erste Leuchtturm nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel errichtet. Die meisten der 232 von Friedrich von Hagenow beschriebenen Großsteingräbern fallen Straßen- und Häuserbau zum Opfer. Es sind nur noch ca. 60 erhalten. In dieser Zeit, genau 1837-43, läßt der Großbaumeister Rügens, Wilhelm Malte I., das Jagdschloss Granitz errichten. Das Schloss ist noch heute ein beliebtes Ausflugsziel.

1895
Zwischen Putbus und Binz wird die Rügener Kleinbahn, der Rasende Roland, eingeführt und später bis nach Göhren verlängert. Der Fährverkehr zwischen Sassnitz und Trelleborg / Südschweden wird aufgenommen.

1912
Bei einem Anlegemanöver an die Seebrücke in Binz zerstört ein Dampfer die Brücke und 14 Menschen ertrinken in Folge dessen. Diese Katastrophe ist der Auslöser zur Gründung der DLRG (Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft) in Leipzig.

1936
Der 2,5 km lange Rügendamm wird fertig gestellt. Ab sofort ist Rügen mit dem deutschen Festland verbunden.

1938
Der Koloss von Prora entsteht. Die Nationalsozialisten errichten eine Ferienanlage für 20.000 Menschen. Diese „Kraft durch Freude”-Projekt wird nie fertig gestellt und steht heute noch als Bauruine an der Bucht von Prora.

1945
Alliierte Streitkräfte bombardieren Sassnitz, die Nationalsozialisten sprengen den Rügendamm. Die sowjetischen Besatzer enteignen die Gutsbesitzer von Rügen und Hiddensee. Am 28. Juli 1946 wir der Literatur-Nobelpreisträger Gerhard Hauptmann auf seiner Lieblingsinsel Hiddensee beerdigt.

1952
Der Kommunismus hält Einzug auf Rügen: es werden, gegen der erheblichen Widerstand der Bauern, Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften gegründet und in der „Aktion Rose” werden sämtliche Pensions- und Hoteleigentümer enteignet.

1957
Rügen wird zum Hauptferienziel der DDR ausgebaut: es entstehen Gewerkschafts- und Betriebsferienheime, zahlreiche Zeltplätze und Jugendlager. 1959 wird erstmals das Theaterstück über den Freibeuter Klaus Störtebeker von Kurt Barthelaufgeführt. Schon damals war der Austragungsort die Freilichtbühne Ralswiek. Die Festspiele werden bis 1981 fortgeführt und dann für 10 Jahre unterbrochen. Seit dem Frühjahr 1993 finden die Störtebeker Festspiele wieder regelmäßig jedes Jahr statt und sind einer der touristischen Höhepunkte der Insel Rügen.

1991
Kurz nach der Wiedervereinigung beginnt eine schwere Zeit: die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften zerfallen, Rügens Arbeitslosigkeit steigt auf 30%. Es werden Tausende von Restitutionsansprüchen gestellt um die enteigneten Gebiete und Häuser. Franz von Putbus fordert neben der Rückübertragung von Schloss Spyker auch etwa ein sechstel der Fläche Rügens. Diese Forderungen werden 1997 allerdings abgelehnt.

1994
Jetzt startet der Wiederaufbau der Seebäder und der Ausbau als Ferieninsel. Seebäder wie Binz und Göhren werden in der alten Seebadarchitektur liebevoll restauriert und Anlagen mit Ferienwohnungen entstehen auf Rügen. Schon bald übersteigt die Zahl der Gäste die der Einwohner Rügens. Der November 1995 brachte eine Sturmflut mit sich, die Rügen die schlimmsten Verwüstungen seit 40 Jahren bescherte.

2002
Stralsund und Wismar werden in die Liste der Weltkulturerbenstätte von der UNESCO aufgenommen. 2004 ist Baubeginn der zweiten Strelasund-Querung. Nach der Fertigstellung der Autobahn A20 ist diese Brücke eine weitere Maßnahme, dem Touristenandrang gerecht zu werden. Die alte Querung ist so niedrig, dass sie mehrmals am Tag gesperrt werden muss, um größere Schiffe passieren lassen zu können.

2005
Am 24.Februar stürzten die Zinnen der berühmten „Wissower Klinken” in die Ostsee. Kulturell und landschaftlich gesehen ein herber Verlust, schon Gerhard Hauptmann beschrieb die Kreideformationen; damit hat Rügen eines seiner Wahrzeichen verloren. Andererseits ist das Abbrechen von Kalkstein an den Steilküsten Rügens ein normaler und natürlicher Vorgang. Immer wieder wurden und werden Teile im Osten der Insel ins Meer stürzen und weiter im Süden wieder als feiner weißer Sand an die Strände gespült. Dieser Kalkstein, aus dem die Insel im Prinzip besteht, ist es auch, die dem Wasser rund um die Insel seine grünlich-blaue Färbung gibt und die Strände karibisch weiß erscheinen lässt.
Inzwischen ist Rügen die beliebteste Insel der deutschen Urlauber geworden und ist, statistisch gesehen, außerdem die Region mit den meisten Sonnenstunden.

Oktober 2007
Die 2. Strelasundquerung wird nach ca. 10 Jahren Planungs- und Bauzeit fertiggestellt.
Das Kernstück der insgesamt 4.100 m langen 2. Strelasundquerung zwischen der Ortsumgehung Stralsund und der AS Altefähr bildet ein rund 2.830 m langer Brückenzug. Das parallel zum bestehenden Rügendamm verlaufende Gesamtbauwerk setzt sich aufgrund unterschiedlicher Überbaukonstruktionen aus sechs Einzelbauwerken zusammen, nämlich den Vorlandbrücken Stralsund, der Ziegelgrabenbrücke, den Vorlandbrücken Dänholm und Strelasund sowie der Strelasundbrücke. Ingenieurtechnisch herausragend ist die ca. 600 m lange Schrägseilbrücke, die den Ziegelgraben zur Freihaltung für die Schifffahrt mit 198 m bzw. 126 m bei 42 m Durchfahrtshöhe stützenfrei überspannt. Mit seinem markanten, 128 m hohen Pylon bildet dieses Bauwerk auch den architektonischen Höhepunkt des Brückenzugs, der als das „neue Tor nach Rügen“ zu einem weiteren Wahrzeichen der Hansestadt Stralsund geworden ist.