Der Findling Nardevitz

Der Findling Nardevitz, auch Großer Stein von Nardevitz genannt, ist einer der größten Findlinge Norddeutschlands. Er liegt etwa 400 m nördlich von Nardevitz, einem Ortsteil der Gemeinde Lohme, auf der Insel Rügen. Wenn man Nardevitz in Richtung Blandow verlässt, sieht man mitten auf dem Feld eine Gestrüppinsel, in der sich der größte Stein Rügens und ursprünglich auch ganz Deutschlands verbirgt: der große Stein vor Nardevitz. Sein Volumen wird auf 104 m³ geschätzt, was einer Masse von 281 t entspricht. Der oberirdisch messbare Teil hat ein Volumen von 71 m³. Der Findling Nardevitz ragt mehr als 3 Meter aus dem Erdreich. Damit ist er, abgesehen vom Buskam, der vor Göhren in der Ostsee liegt, der größte Findling auf Rügen, und somit eine besondere geologische Sehenswürdigkeit.

Da der Findling Nardevitz lange Zeit für die Gewinnung von Baumaterial benutzt wurde, wird heute angenommen, dass er einst dreimal so groß war. Auf dem Stein sind deutliche Spuren zu erkennen, die auf eine damals geplante, noch weitergehende Zerstörung des Findlings hinweisen. Dieser Findling soll ursprünglich so riesig gewesen sein, dass auf seiner Oberfläche mühelos ein Vierspänner wenden konnte. 1854 wurde der Inhalt des Steines durch Hagenow nur auf ca. 40 Quadratmeter geschätzt. Später wurden die Findlinge von Rügen neu vermessen und berechnet, so steht er in Schmidt's „Die größten Findlinge Rügens“ mit 104 m3.
Heute besteht der „Erratische Block“, was verirrter Block heißt, mit seinen 281 Tonnen nur noch zu ca. einem Drittel. Durch das intensive Bearbeiten des Feldes droht er immer mehr zu versinken. In den vergangenen Jahrhunderten wurden aus dem Findling große Brocken als Baumaterial abgesprengt. Nachweislich diente dieser große Block schon 1854 als „Steinbruch“ für die Herstellung von Denkmälern. Bevor es das Dynamit gab, versuchte man es durch Einbringen von Holzpflöcken, die mit Wasser getränkt, Stücken abplatzen ließen, oder durch Einschlagen von Rinnen, in die Lederbänder gelegt wurden und mit dem selben Prinzip Stücke aus dem sauren, mittelkörnigen Granit brachen. Nicht jeder Versuch brachte den gewünschten Erfolg. So wurde zweimal erfolglos versucht, die Preußensäulen in einem Stück aus dem Granit zu sprengen. Auch in die Nardevitzer Straße wurde von ihm Material eingebaut und der Berliner Streinrestaurator Carlo Wloch konnte nachweisen, das eine Toreinfahrt in Quoltitz ebenfalls aus diesem Material gearbeitet wurde.