Ernst Moritz Arndt

Der patriotische Dichter und politische Schriftsteller Ernst Moritz Arndt stammt auch von Rügen.
Als Heranwachsender hatte Arndt, dessen Vater ein ehemaliger Leibeigener war, Erfahrungen gemacht, die sein soziales Empfinden und seine Weltanschauung prägten. Seine schriftstellerische Kraft stellte er in den Dienst der Unterdrückten und Entrechteten. So schrieb er historische, teils philosophische und zeitkritische Aufsätze, in denen er das Bauernlegen und die Leibeigenschaft seiner Zeit kritisierte und mit historisch fundierten Argumenten Anklage gegen die Großgrundbesitzer erhob. Im Alter von 33 Jahren schuf er mit dem „Versuch einer Geschichte der Leibeigenschaft in Pommern und Rügen“ sein wichtigstes Werk. Von Kindheit an empfand Arndt eine besondere Zuneigung zu seiner Heimatinsel, die ihm auch dann noch am Herzen lag, als er bereits jahrelang in Bonn gelebt hatte. Aus vielen seiner Briefe und Schriften spricht eine enge Verbundenheit mit dem „lieblichen Eiland“, so wie aus dem Gedicht „Heimweh nach Rügen“, das er 1842 als 73jähriger geschrieben hat:

Heimweh nach Rügen

O Land der dunkeln Haine,

O Glanz der blauen See,
Du Eiland, das ich meine,
Wie thut´s nach dir mir weh!
Nach Fluchten und nach Zügen
Weit über Land und Meer,
Mein trautes Ländchen Rügen,
Wie mahnst du mich so sehr!


O wie, mit goldnen Säumen

Die Flügel rings umwebt,
Mit Mährchen und mit Träumen
Erinn´rung zu mir schwebt!
Sie hebt von grauen Jahren
Den dunkeln Schleier auf,
Von Wiegen und von Bahren,
Und Thränen fallen drauf.


O Eiland grüner Küsten!

O bunter Himmelschein!
Wie schlief an deinen Brüsten
Der Knabe selig ein!
Die Wiegenlieder sangen
Die Wellen aus der See
Und Engelharfen klangen
Hernieder aus der Höh.


Und deine Heldenmäler

Mit moosgewobnem Kleid,
Was künd´ten sie, Erzähler
Aus tapfrer Väter Zeit,
Von edler Tode Ehren
Auf flücht´gem Segelroß,
Von Schwerdtern und von Speeren
Und Schildes-Klang und -Stoß?


So locken deine Minnen

Mit längst verklungnem Glück
Den grauen Träumer hinnen
Zu alter Lust zurück.
O heißes Herzenssehnen!
O goldner Tage Schein
Von Liebe reich und Thränen!
Schon liegt mein Grab am Rhein.


Fern, fern vom Heimathlande

Liegt Haus und Grab am Rhein,
Nie werd´ an deinem Strande
Ich wieder Pilger seyn.
Drum grüß´ ich aus der Ferne
Dich, Eiland lieb und grün:
Sollst unterm besten Sterne
Des Himmels ewig blühn!